Biebertaler Hohlwege

Auch wenn Biebertal touristisch heute noch immer ein Weißer Fleck auf der Landkarte ist, so war das nicht immer so.
Verschiedene Hohlwege belegen, dass hier einmal reger Verkehr herrschte. Herr Döpfer konnte das mit Karten und Fotos vor Ort belegen:

Auf der Luftaufnahme (links) sind die Eingrabungen der Wagen in das Landschaftsrelief noch immer gut zu sehen; insbesondere auch, wie eine neue Spur neben dem alten Weg gefahren wurde, wenn die Wagen in der alten Hohle aufsetzten. (Unten historische Karte von 1892)

Westfalen-Weg

Nahezu vergessen ist heute der sogenannte Westfalenweg, der aus dem Raum Gießen kommend am Dünsberg vorbei verlief, etwa der heutigen L 3047 folgend bis zur Zollbuche, um dann über Günterod westlich an Hartenrod und Schlierbach vorbei in den Knotenpunkt der alten Fernstraßen an der Angelburg im Schelder Wald einzumünden. Man vermutet, dass dieser Weg schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit von Bedeutung war.
Die Trasse des Westfalenweges verband einst das keltische Oppidum auf dem Dünsberg direkt mit dem vermuteten regionalen vorchristlichen Naturheiligtum Wilhelmsteine im Schelder Wald in der Nähe der Angelburg.

Der Weg weist eine typische mittelalterliche Streckenführung auf. Seine Trasse verläuft siedlungsfern auf der Lahn-Dill- bzw. Aar-Salzböde-Wasserscheide. Ab der Zollbuche wird auch heute auf dem ca. 35 km langen Wegstück bis Gießen nur die Ortschaft Frankenbach durchquert. Über die nördliche Fortsetzung des Westfalen-Weges konnte man über Paderborn bis Bremen gelangen. Dieser Weg bot jahrhundertelang (bis 1854) die einzige Möglichkeit Waren zollfrei aus dem Hinterland in die Provinzhauptstadt Gießen bzw. nach Darmstadt zu bringen. Bis auf eine kurze Strecke am heutigen Gasthaus „Eiserne Hand“, das zur Grafschaft Solms gehörte, mit der Hessen ein Zollabkommen hatte, verlief der Weg ausschließlich auf hessisch-darmstädtischem Gebiet.

Hier im Bild versteckt, ein mit einem Wegschild markierter Punkt des Welstfalenweges hinter Heuchelheim – auf der Karte links an Rande des unteren Grüns links zwischen den Kreiseln.

Sehr schön lässt sich auf den Bilder erkennen, wie damals die Fahrspur der Wagen einfach verlegt wurde, wenn der alte Weg nicht mehr gut nutzbar war.

Der Weg führte über den Heegstrauch über die Fellingshäuser Gemarktung am „Gießer Berg“, wo sich noch folgende Spuren finden, die Herr Döpfer mit Friedel Winter erkundete:

Der Eselsweg verlief durch die Gemarkung Königsberg über das Helfholz.

Auch oberhalb vom Dünsbergsgrund finden sich die Wagenspuren im Wald; ebenso wie im Landschaftsrelief der Luftaufnahme (unten) die Hinterlassenschaften unserer Vorfahren noch klar auszumachen sind.

Der Dreimärkerstein – fotografiert von Ernst Döpfer im Mai 2020; unten die Fahrspuren im Gelände und eine Wegekarte.

Fotos und Materialquelle: Ernst Döpfer

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